Liebe Freundinnen und Freunde,

fünf Mitgliederrunden in fünf Tagen, dazu die Verbände des ländlichen Raums und ein Gespräch mit Wirtschaftsvertretern bei Enercon in Magdeburg. So sah meine Woche aus und ich würde sie sofort noch einmal so machen. Denn an jedem dieser Abende saßen mir Mitglieder gegenüber, die nach Feierabend noch einmal losgefahren sind, weil sie etwas zu sagen haben. Die eine Meinung haben und sie vertreten. Denen nicht egal ist, was aus unserer Partei wird. Wer in dieser Woche dabei war, hat erleben können, wie lebendig unsere CDU ist. Es war erfrischend, offen, zugewandt und auf Lösungen aus. Wir können das, wenn wir alle an einem Ziel arbeiten. Danke dafür.

Eine Begegnung aus einem unserer Gespräche trage ich seitdem mit mir herum. In Wanzleben hat mir ein Ortsbürgermeister eine Frage gestellt. Er ist fast 55 und in seinem Dorf der Letzte, der noch für unsere Partei steht. Er sitzt im Gemeinderat, er hängt die Plakate und wenn in Magdeburg oder in Berlin etwas entschieden wird, das den Leuten nicht passt, dann bekommt er es ab, am Gartenzaun und an der Kasse im Supermarkt. Seit zehn Jahren, so hat er es gesagt, fühlt er sich von seiner Partei verlassen. Dann hat er gefragt, wie er in seinem Alter noch jemanden findet, der neben ihm steht, und wie lange er das noch machen soll.

Ich hatte an dem Abend keine Antwort für ihn. Was ich an Vorschlägen für unsere Kommunalpolitik dabeihatte, ist richtig, aber es stellt ihm niemanden an die Seite. Das habe ich ihm gesagt und ich habe ihn und den ganzen Saal um Ideen gebeten, weil ich diese Antwort nicht allein finde.

Dieser Mann steht für viele, deshalb erzähle ich das. Leute wie er haben unsere Partei über Jahre getragen und sie haben dafür wenig zurückbekommen. Von der Landespartei kam die Einladung zum Parteitag und vor jeder Wahl die Bitte um Einsatz. Ein Anruf, wie es denn läuft, kam selten. In Ilsenburg hat jemand erzählt, dass es im Altkreis Wernigerode einmal sechs starke Gliederungen gab und heute keine mehr. Das liegt an uns.

Eine fertige Antwort habe ich auch heute nicht. Aber ich weiß, wo sie anfängt. Der Mann aus der Börde braucht keinen Zuständigen in Magdeburg, der ihm einen Leitfaden schickt. Er braucht in seinem Dorf einen Zweiten und einen Dritten, die neben ihm stehen. Das heißt, wir müssen wieder Mitglieder gewinnen und das ist keine Aufgabe für eine Geschäftsstelle, das ist eine Aufgabe für jeden von uns. Die Leute, die wir brauchen, kennen wir längst. Sie stehen mit uns bei der Feuerwehr, sitzen im Vorstand des Sportvereins, singen im Chor, organisieren das Dorffest und den Weihnachtsmarkt. Dort ist es selbstverständlich, dass man mitmacht und stolz darauf ist. In der CDU war es das auch einmal. Dahin müssen wir zurück, zu einer Partei, in der man gern Zeit verbringt, in der man gehört wird und in der man ohne Zögern sagt, dass es gut und richtig ist, dabei zu sein. Wer das selbst wieder so empfindet, fragt auch den Nachbarn aus der Feuerwehr, ob er mitkommt. Der Ortsbürgermeister aus der Börde hat uns daran erinnert. Solche wie ihn gibt es in jedem Kreisverband und dass sie nicht allein bleiben, dafür kann jeder von uns dort sorgen, wo er selbst zu Hause ist.

Der 6. September war das Ergebnis vieler Entscheidungen, die weit weg von diesem Dorf getroffen wurden. Der Weg zurück beginnt genau dort. Nach dieser Woche mit so vielen ermutigenden Begegnungen mit Mitgliedern quer durch unser Land weiß ich, dass wir ihn nicht allein gehen.

Ich wünsche Euch einen guten Sonntag.
Euer Sepp Müller

Worüber wir reden müssen

An jedem Abend dieser Woche kam der Moment, in dem es um Berlin ging. Ich will da auch nicht drum herumreden. Entscheidungen des Bundes sind an den Haustüren angekommen und haben die Landtagswahl sicherlich mitentschieden. Es wurde Verschiedenes versprochen, das dann anders kam. Und zu oft haben unsere Mitglieder erst aus der Zeitung erfahren, was ihre eigene Partei beschlossen hat. Das waren Fehler und einige davon passieren weiter. Wer das anspricht, hat recht.

Nur ist die Empörung auch die bequemste aller Haltungen. In Magdeburg zeigt man auf Berlin, in Berlin auf Magdeburg und beide gehen mit dem guten Gefühl nach Hause, dass die anderen schuld sind. Verändert hat sich dadurch in all den Jahren nichts. Eine Schlagzeile gegen Berlin ist an einem Nachmittag produziert und bringt ihrem Urheber zwei Tage Aufmerksamkeit. Eine Mehrheit in Berlin ist Arbeit über Monate und sie bringt dem Land etwas. Ein »Wir gegen die« brauchen wir als CDU Sachsen-Anhalt nicht. Es braucht eine starke und laute Stimme in Berlin. Laut heißt für mich, dass man dort mit Hartnäckigkeit vertritt, was zu Hause vorher beschlossen wurde, bis die anderen überzeugt sind.

Das ist am Ende die Frage, was eine Volkspartei ausmacht. Sie hält den Handwerker und den Hochschullehrer zusammen, die Landwirtin und den Polizisten, den Altmärker und den Hallenser, und sie schafft das nur, wenn vorher über Positionen offen gestritten wird, aber am Ende trotzdem eine Mehrheit entscheidet. Über alles stimmen dabei nicht alle ab, denn Politik muss auch im Tagesgeschäft funktionieren. Dafür wählen wir Vorstände und Abgeordnete, die im Namen der Mitglieder entscheiden. Wer aber dieses Vertrauen bekommt, schuldet dafür zweierlei: Die Diskussion vorher und die Erklärung hinterher. Und wer seine persönliche Meinung auch einmal nicht im Ergebnis einer Abstimmung wiederfindet, trägt den Beschluss trotzdem mit, notfalls – ja – mit der Faust in der Tasche. Das ist auch ein Preis dafür, dass wir als Volkspartei überhaupt handeln können. Und diese Breite ist stärker als jeder, der nur Lager bildet.

Genau das ist uns in den vergangenen Jahren verloren gegangen, nach innen wie nach außen. Nach innen haben wir zu wenig gestritten, bevor entschieden wurde. Kaum ein Mitglied ist gefragt worden, bevor in Berlin eine Entscheidung fiel. Und unsere Landespartei hat zur Migration, zur Energie oder zum ländlichen Raum selten eine eigene Position erarbeitet und nach Berlin getragen. Wer nie gefragt wird, fühlt sich übergangen. Er kann sich mit dem Ergebnis nicht identifizieren und irgendwann ist ihm jede Entscheidung fremd, die andere für ihn getroffen haben.

Nach außen haben wir uns zu oft treiben lassen. Sobald jemand laut genug etwas gefordert hat, von links oder, ehrlicherweise, meistens von rechts, haben wir unsere eigenen Überzeugungen und Beschlüsse in Frage gestellt, als hätten wir keinen Kompass. Beides hängt zusammen. Wer vorher nicht gestritten hat, steht hinterher auch nicht fest zu dem, was beschlossen ist. Und eine Partei, die so auftritt, wirkt auf die Bürger wie eine Partei, die selbst nicht weiß, wofür sie steht. Auch dafür haben wir am 6. September die Rechnung bekommen.

Dass es anders geht, haben wir selbst bewiesen. Die Gasspeicherumlage, die besonders die Industrie in Leuna und Wittenberg, aber auch jeden privaten Haushalt belastet hat, ist weg, weil wir gemeinsam mit Dr. Reiner Haseloff und Sven Schulze über Monate dafür geworben haben. Der Zukunftsfonds Morsleben, mit dem der Bund die Region im Landkreis Börde entschädigt, bekommt ab diesem Jahr 600.000 statt 400.000 Euro. Die Idee kam von einem Landrat von uns, die Mehrheit dafür haben wir gemeinsam mit unserer Bundestagskollegin Anna Aeikens im Haushaltsausschuss und in der Fraktion organisiert. Keine Schlagzeile, dafür ein wirklich wichtiges Ergebnis.

Mehr wünsche ich mir für unsere CDU eigentlich nicht. Dass wir wieder so miteinander umgehen wie in jedem guten Verein, in dem vor der Abstimmung heftig gestritten wird und danach trotzdem alle am selben Tisch sitzen, weil es um die Sache ging und nie um die Person. So will ich es als Landesvorsitzender halten und so werde ich in Berlin auftreten, mit dem, was wir vorher gemeinsam beschlossen haben. Wir haben das nur über eine Weile verlernt. Und was man verlernt hat, kann man sich wieder beibringen. Fangen wir an.

Wochen-Recap

Nachdenklich gemacht hat mich …

… was mir mehrere Mitglieder übereinstimmend berichtet haben. Seit der Landtagswahl seien Teile der geschäftsführenden Landesregierung und der Behörden schwer oder gar nicht mehr erreichbar. Ein Landrat hat das bestätigt. Das ist ein unhaltbarer Zustand. Als Staatsbürger erwarte ich, dass jeder in und unter der geschäftsführenden Landesregierung seinen verfassungsgemäßen Auftrag erfüllt, bis zum letzten Tag. Als Parteimitglied und Kandidat für den Landesvorsitz sage ich dazu, dass wir als CDU in dieser Regierung mit 120 Prozent für unser Land arbeiten, solange kein neuer Ministerpräsident gewählt ist. Niemand weiß, wie lange das dauert. Wenn schon jetzt Teile der Verwaltung nicht mehr reagieren, will ich mir nicht ausmalen, wo wir in einem halben Jahr stehen.

Aufgeschrieben habe ich mir …

… einen Wunsch, der an mehreren Abenden kam. Der Landesverband soll mehr Veranstaltungen in der Fläche anbieten, zum Austausch über aktuelle Themen und damit die Landesspitze außerhalb von Magdeburg wieder ein Gesicht bekommt. Ich kann das gut verstehen. Zum Beispiel könnte der Landesvorstand reihum in den Kreisverbänden tagen, jedes Mal mit einem öffentlichen Teil, in dem Mitglieder mit der Landesspitze über die Tagesordnung reden. Denkbar sind auch eigene Veranstaltungen des Landesverbands in der Fläche, deren Ergebnisse in die Beschlüsse des Landesvorstands einfließen. Das kostet Geld und verlangt, die Aufgaben in der Landesgeschäftsstelle neu zu verteilen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Ich halte den Vorschlag für richtig und werde dafür werben.

Gelernt habe ich …

… dass Verbände, die auf einem Landesparteitag einen Antrag einbringen, danach nichts mehr hören. Der Stadtverband Burg hat zehn Thesen eingereicht und bis heute keine Antwort bekommen. Wer keine Delegierten auf den Parteitag oder in den Landesvorstand entsendet, ist zwar antragsberechtigt, erfährt aber nie, was aus seinem Antrag geworden ist. Das schaffen wir ab. Innerhalb von 14 Tagen nach einem Parteitag oder Vorstandsbeschluss bekommt das einreichende Gremium eine Antwort, ob Verband, Vereinigung oder Landesfachausschuss. Ich will, dass wir wieder eine Mitgliederpartei werden und dazu gehört, dass Kommunikation in beide Richtungen läuft.

Fünf Abende war alles auf dem Tisch

Ich bin in diese Woche mit der Erwartung gegangen, dass sich an den Abenden vor allem Frust entlädt, über den Wahlkampf und über einzelne Namen. Aber davon gab es weniger, als ich dachte, und das hat mich überrascht. Es ging fast nie um Personen. Es ging um die Partei selbst, um das, was Mitglieder von ihr erwarten, und um die Frage, wofür sie eigentlich steht. Wer wird gefragt, bevor entschieden wird. Was wird aus einem Antrag, den ein Stadtverband einreicht. Wie hält ein Ortsverband durch, in dem drei Leute alles machen. Und was antwortet man am Infostand, wenn jemand fragt, wofür die CDU noch steht.

Die Breite war bemerkenswert. Vom Landrat bis zum Ortsbürgermeister, von der Landwirtin bis zum Unternehmer, vom langjährigen Mitglied bis zu denen, die erst nach der Wahl eingetreten sind, haben sich alle zugehört und in der Sache gestritten.

Montag, digital

Den Anfang hat am Montag die digitale Runde gemacht. Am Bildschirm redet es sich anders als im Saal, kleinteiliger, aber auch genauer, und so sind wir an diesem Abend tiefer in einzelne Themen gekommen als an jedem anderen. Bestimmt haben den Abend das Verhältnis zwischen Berlin und dem Land sowie die Rolle unserer Strukturen bis zum Ortsverband hinunter, dazu die Frage, wie die Partei organisiert sein muss, damit das, was vor Ort gedacht wird, oben ankommt. Das Format hat Luft nach oben, an der Technik und am Ablauf, und daran arbeiten wir. Es wird wiederkommen, und zwar breiter angeboten als diesmal, denn wer gehört werden will, soll dafür künftig keinen Abend auf der Landstraße brauchen.

Dienstag, Ilsenburg

In Ilsenburg ging es schnell um uns selbst. Ein Mitglied des Kreisvorstands beschrieb, wie es ist, über Jahre dabei zu sein und nie gefragt zu werden; sein Landesfachausschuss hat sich im vergangenen Jahr nur ein einziges Mal getroffen. Ein Unternehmer erzählte, er habe den Kandidaten im Wahlkampf eine Kampagne in den sozialen Medien bezahlen wollen und das Angebot sei liegen geblieben. An solchen Geschichten sieht man, wie viel Kraft in unserer Partei brachliegt, weil wir sie weder abrufen noch zulassen. Gestellt wurde auch die Frage, die wir seit Wochen von außen hören, wie wir es im Landtag mit der AfD halten. Meine Antwort ist einfach. Wir sind Opposition und messen jeden Antrag daran, ob er dem Land nützt. Liegt einer auf dem Tisch, den wir für richtig halten, dann haben wir den besseren, der mehr für die Leute herausholt, und den bringen wir selbst ein. Wer unseren Ideen zustimmt, ist herzlich eingeladen. Wer uns zum Mehrheitsbeschaffer machen will, muss sich andere suchen.

Den Abschluss machte der Vorsitzende eines Kreiselternrats, der zu Hause Angehörige pflegt und beruflich junge Menschen in Arbeit bringt. Seine Frage war, ob die CDU bei der Inklusion standhält, wenn die neue Mehrheit im Landtag daran rührt. An dieser Frage wird der fundamentale Unterschied zwischen uns und den Blauen deutlich. Es geht um das Menschenbild und um die Würde jedes Einzelnen und daran lassen wir nicht rütteln. Danke an Sandra Yvonne Stieger für die Moderation und an alle, die offen diskutiert und sich dabei kein Blatt vor den Mund genommen haben. So muss das sein!

Mittwoch, Magdeburg

In Magdeburg wollten die Mitglieder vor allem wissen, wie wir künftig zu unseren Entscheidungen kommen, wer vorher gefragt wird und was aus einem Beschluss wird, wenn der Parteitag vorbei ist. Viele wünschen sich mehr Möglichkeiten, als Mitglied vorher gehört zu werden, ob zu Sachfragen oder zu Personal, und gern auch digital. Zugleich gab es deutliche Kritik daran, wie die Liste zur Landtagswahl zustande gekommen ist. Eine stellvertretende Kreisvorsitzende hat es auf die Frage gebracht, wie weit ich bereit bin, an Strukturen und Machtverteilung die Axt zu legen. Meine Antwort ist konkret. Die Mitglieder werden vor politischen Entscheidungen regelmäßig befragt, der Landesvorstand legt nach der Wahl ein neues Verfahren für die Listenaufstellung vor und jeder Parteitagsbeschluss wird ein Jahr später öffentlich abgerechnet.

Was mir aus Magdeburg darüber hinaus in schöner Erinnerung bleibt, ist ein Mitglied, das seit den letzten Wochen des Wahlkampfs bis heute jeden Tag eine Stunde in den Kommentarspalten verbringt und dort höflich erklärt, wofür die CDU steht. Jeden Tag eine Stunde, auch wenn niemand ausdrücklich darum gebeten hatte. Während andere darüber reden, wie die Partei kampagnenfähig wird, macht dieses Mitglied einfach seinen Teil. Danke an Anna Kreye für die Moderation und an alle, die an diesem Abend mitgedacht haben.

Donnerstag, Wanzleben

In Wanzleben hat ein Landrat den Abend eröffnet und ihm damit die Richtung gegeben. Die Wahrheit, so sein Appell, sage man sich intern, nach außen trete man geschlossen auf und Posten besetze man nach Expertise und nicht nach Einfluss. Ein Bürgermeister hat später die Reihenfolge benannt, die wir aus dem Blick verloren haben: Erst das Land, dann die Partei, dann die eigene Person. Es war ein Abend, an dem es weniger um Forderungen ging als um grundsätzliche Haltung. Dazu passte die Frage, wie wir Opposition sein können, solange wir noch geschäftsführend regieren. Die Regierung hat einen Verfassungsauftrag und arbeitet bis zum letzten Tag, die Fraktion setzt als Oppositionsführer mit eigenen Anträgen die Themen. Beides zugleich ist zumindest jetzt unsere Aufgabe. Sollte es in absehbarer Zeit keine neue Landesregierung geben, müssen wir die Rollen und Funktionen neu überdenken.

Eine Begegnung nehme ich aus Wanzleben besonders mit. Die Landwirtin, die uns beschrieben hat, wie sie an den Haustüren erst klar gesagt hat, dass sie die AfD für falsch hält, und dann mit den Leuten über Preise und Energie geredet hat. Haltung zeigen und trotzdem zuhören, so stelle ich mir unsere Partei vor. Danke an Norman Langer für die Moderation und an alle, die an diesem Abend so offen gesprochen haben, auch über das, was wehtut.

Freitag, Burg

Burg am Freitagabend war die kleinste Runde der Woche und vielleicht gerade deshalb die intensivste. Wir saßen an einem runden Tisch, ohne Bühne und ohne Mikrofon, und es ging fast nur um die Parteiarbeit vor Ort. Wie hält man einen Ortsverband am Leben, der wenige Mitglieder hat und keinen Mandatsträger, der Türen öffnet. Wie erreicht man junge Leute in einer Stadt, in der sie die CDU kaum noch wahrnehmen. Auf solche Fragen liefert kein Beschluss aus Magdeburg die Antwort, sie entsteht nur vor Ort und ein paar Ansätze haben wir an diesem Tisch gesammelt, angefangen bei Veranstaltungen, die erst einmal nichts mit Politik zu tun haben.

Was Burg mir gezeigt hat, vergisst man in großen Sälen leicht. Die Partei lebt dort, wo eine Handvoll Leute an einem Freitagabend zusammensitzt, weil sie ihre Stadt nicht aufgeben wollen. Danke an alle, die sich nach einer langen Woche noch die Zeit genommen haben.

Die Woche hat mir gezeigt, wie viel in unserer Partei steckt, wenn man sie fragt. Was ich an den Abenden zugesagt habe, wird Teil meines Angebots an den Landesparteitag. Beschlüsse, die verbindlich sind und abgerechnet werden, klare Zuständigkeiten in der Landesspitze, Parteitage mit echter Sacharbeit und Mitglieder, die vor Entscheidungen gehört werden. Im Hinterzimmer gibt es keine Fenster. Wer dort entscheidet, sieht nur die eigenen Papiere und hört nur die eigenen Leute. Er sieht die Mutter an der Supermarktkasse und den Handwerker am Gartenzaun erst, wenn sie bei der Wahl das Kreuz woanders machen. Wie sich die Welt draußen bewegt und was die Menschen wirklich umtreibt, erfährt man nur, wenn man rausgeht und zuhört. Genau das war diese Woche und so soll es bleiben.

Nach fünf Abenden habe ich mehr offene Fragen als vorher und das ist gut so. Aus den vielen Gesprächen nehme ich jede Menge Denkanstöße mit, auf die ich heute noch keine fertige Antwort habe. Daran denke und arbeite ich weiter.

ThesenTalk Ländlicher Raum

Am Donnerstagvormittag saßen in Bernburg die Verbände aus Landwirtschaft, Forst und ländlichem Raum mit mir am Tisch. Der Ton war offen und die Kritik deutlich. Die Bauern hätten in der CDU keine Lobby mehr, hieß es, und auf den Märkten sei die AfD präsent, wir dagegen kaum. Dazu kam die Lage auf den Höfen und im Wald, von den Energiepreisen bis zu einer Bürokratie, die den Betrieben die Luft nimmt. Das muss man aushalten und ernst nehmen, denn es stimmt zu vieles davon.

Wir sind an diesem Vormittag endlich wieder ins Gespräch gekommen. Das war ein Anfang. Vertrauen, das über Jahre verloren ging, braucht mehr als einen Termin. Es wächst, wenn aus dem Gespräch Verbindlichkeit wird und die Verbände merken, dass sie bei uns wieder gehört werden. Danke an alle, die gekommen sind und Klartext geredet haben.

Was mich in Berlin bewegt …

Am Montag und Dienstag hat der Bundeskanzler zum Investitionsgipfel nach Berlin geladen, rund 200 Vorstände und Investoren aus dem In- und Ausland. Zugesagt haben sie Investitionen von rund 230 Milliarden Euro, für Energie, für Rechenzentren und Halbleiter, für Verkehrswege und digitale Netze, für Raumfahrt und für Künstliche Intelligenz in der Industrie. Mit Nvidia hat die Bundesregierung eine engere Zusammenarbeit vereinbart, damit KI in unseren Fabriken ankommt. Und ja, wir brauchen wieder eine positive Haltung. Der Chef von Nvidia hat dem Bundeskanzler gesagt, er glaube an Deutschland. Am Samstag auf dem Parteitag der CSU hat der Kanzler uns alle aufgefordert, diesen Satz zu unserem zu machen. Wir glauben an Deutschland.

Ich selbst habe am Donnerstag bei Enercon in Magdeburg mit Wirtschaftsvertretern und Kommunalpolitikern über Wirtschaft und Zukunft gesprochen, über die Lage des Betriebs und darüber, was es braucht, damit Industriearbeitsplätze in Sachsen-Anhalt bleiben. Auch Kritik an konkreter Wirtschaftspolitik wurde dabei deutlich. Umso wichtiger ist der Dialog, denn nur im ehrlichen Austausch erfahren wir, was die Betriebe im Land wirklich brauchen. Das nehme ich mit nach Berlin.

Meine Frage der Woche

Wo fühlt Ihr Euch konkret von unserer Partei allein gelassen?

Der Ortsbürgermeister aus der Börde hat es für sich beantwortet. Mich interessiert, wie es bei Euch aussieht. Je konkreter, desto besser, denn genau das fließt in mein Angebot für unsere Partei ein.

Wochenausblick

In der kommenden Woche bin ich als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Wirtschaft mit einer Wirtschaftsdelegation aus Sachsen-Anhalt in Indien unterwegs. Indien wächst so schnell wie kaum ein anderes Land. Im Januar haben sich die EU und Indien nach fast zwei Jahrzehnten auf ein Freihandelsabkommen geeinigt, auch dank des engagierten Einsatzes unseres Bundeskanzlers Friedrich Merz. Damit öffnet sich für unsere Unternehmen ein riesiger Markt und das sichert Arbeitsplätze und Wohlstand bei uns zu Hause. Unternehmen aus unserem Land sind längst dort. Verbio aus Zörbig betreibt im Punjab die erste Anlage Indiens, die aus Reisstroh Biomethan macht. Für die mibe aus Brehna, einen Arzneimittelhersteller aus Anhalt-Bitterfeld, geht es um die Gesundheitsversorgung in der größten Demokratie der Welt. Das ist eine Chance für unseren heimischen Mittelstand und ich sehe mir beides gern vor Ort an.

Mit auf die Reise kommen auch die Gedanken und Ideen aus den Gesprächen dieser Woche. Die langen Flüge und Abende nutze ich, um an meinem Angebot für den Landesparteitag zu arbeiten, denn das, was Ihr mir in Ilsenburg, Magdeburg, Wanzleben und Burg gesagt habt, soll sich darin wiederfinden. Nach außen wird es deshalb eine ruhigere Woche, was zu den Herbstferien ganz gut passt.

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Bis nächsten Sonntag

Die nächste »Post von Sepp direkt« kommt am Sonntag, 1. November. Wenn Ihr Leute kennt, die sie auch lesen sollten, leitet sie einfach weiter. Anmelden kann sich jeder auf allesmussneu.de, dort stehen auch alle Termine der kommenden Wochen.